Philosophie


Die Auseinandersetzung mit den Arbeiten anderer Künstler fördert die individuelle Entwicklung und führt zu einer bewussteren Wahrnehmung der Welt. Denn dieses «Wahrnehmen», dieses «Öffnen der Sinne» ist dem künstlerisch tätigen Menschen eigentümlich und ist die Basis seines Denkens. Dieses Denken, das von den Wahrnehmungen ausgeht, wird das «ästhetische Denken» genannt. Bei diesem ästhetischen Denken wird das Wort Ästhetik in der antiken, ursprünglichen Bedeutung benutzt als die Lehre von den Sinneswahrnehmungen. Diese künstlerische Sicht, den Sinn der Dinge zu offenbaren Entspricht heute einem grossen Bedürfnis und ist die Basis des Denkens heutiger Philosophen. Deshalb die ungeheure Bedeutung der Kunst in unserer aktuellen Kultur. Die Kunst hilft uns im Kampf gegen die Entzauberung der Welt durch die Wissenschaft und die Politik. Denn für uns gibt es keine Scheidung von Schönheit und Existenz. Existenz wird von der Schönheit bestimmt und sie muss sich von der Macht der Schönheit Führen lassen.

 

Bilder begleiten uns das ganze Leben und bleiben stärker als jeder andere Sinnesausdruck in unserem Gedächtnis haften. Bilder steuern stärker als Gerüche, Töne oder Geschmack unser Wohlbefinden, entscheiden unsere Augen doch in Sekunden über Sympathie oder Abneigung, über Schönheit oder Hässlichkeit. Bilder, seien es Gemälde, Fotografien oder Grafiken, dienten schon immer dem Ausdruck des eigenen Geschmacks und nicht zuletzt der Magie der Schönheit.

 

 

Die Definition von Schönheit

Ein Künstler ist beindruckt von der Welt. Seine Kunst ist der ehrliche Versuch, dieser sichtbaren Welt die höchste Art von Gerechtigkeit zu erweisen. Er tut dies, in dem er mit seiner Darstellung der Dinge in grösstmöglicher Klarheit und Einfachheit das herauszuheben versuche, was man die Essenz der Schönheit der sichtbaren Dinge nennen kann.

 

Die Magie der dem Menschen nützlichen Dinge ist eine der grossen Faszinationen unserer Welt. «Was das sei, das Schöne» war schon immer eine Frage, die bewusst lebende Menschen intensiv beschäftigte. Im berühmten Streitgespräch von Sokrates mit Hippias über das Wesen der Schönheit gelang es keinem, eine gültige Definition zu finden. Immerhin waren sie sich einig, dass zum Rühren des Hirsebreis ein Quirl aus Holz einem Quirl aus Gold vorzuziehen sei. Ein Quirl aus Gold kann nicht schön sein, da er seine Funktion nicht optimal ausüben kann. Der Sokratesschüler Xenophon wird noch deutlicher: Ein Mistkorb kann schön sei; ein goldenes Schild aber ist hässlich, da er für seine Aufgabe des Schutzes nicht taugt. Dies aus berufenen Mund zur Schönheit der dem Menschen nützlichen Dinge, über 2000 Jahre vor dem berühmten Satz: «Form Fellows Function»

 

Auch Wissenschaftler und Techniker sind von der Welt beeindruckt. Ihre Auseinandersetzung mit den dem Menschen nützlichen Dingen beschäftigt sich mit Tatsachen. Wir hören ihnen zu, weil es um wichtige Dinge geht, um die mögliche Verbesserung unseres Lebens, unserer Welt. Sie sprechen zu unserer Intelligenz, zu unserer Vernunft und sie erweitern unser Wissen um die Dinge.

 

Ganz anders die Künstler. Sie wenden sich an jenen Teil unseres Wesens, der nicht von unserer Gelehrsamkeit abhängt. Sie wenden sich an das, was unser Wesen ausmacht. An etwas also, was viel beständiger ist als Intelligenz und Wissen. Wir sprechen unsere Sinne an, unsere Begeisterungsfähigkeit für die Schönheit und Magie der Dinge.

 

Die Bilder von Paul Bachmann zeigen durch ihre formale Klarheit und Einfachheit diese Magie der Dinge. Es ist wahr: Die funktionale Schönheit der uns Menschen nützlichen Dinge ehrlich und respektvoll darzustellen, das gehört zu den nobelsten Aufgaben eines Künstlers. Denn, nach Oscar Wilde, liegt das wahre Geheimnis der Welt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren.

 

Francis